Die Hiwweltour Vorholz liegt in der Urlaubsregion Alzeyer Land und Rheinhessische Schweiz. Sie führt durch das größte zusammenhängende Waldgebiet Rheinhessens, den herrlichen Vorholz-Wald, und punktet mit großartigen Panoramablicken, historischen Highlights und schönen Rastplätzen entlang der Tour. Der Prädikatswanderweg wurde im Mai 2026 eröffnet, er ist 11,9 Kilometer lang und man sollte etwa 3 Stunden dafür einplanen.
Wanderung im schattigen Vorholz-Wald
Vom Forsthaus Vorholz nördlich von Orbis wandere ich auf einem schmalen Pfad durch ein wunderbar schattiges Waldgebiet in Richtung Bechenheim. Es ist Mitte Juli und angenehm kühl hier unter den alten Eichen und mächtigen Buchen. In der Stille des Waldes höre ich ab und an ein leises Vogelgezwitscher. Viele der Eichen sind über 200 Jahre alt, manche sogar wesentlich älter. Das größte Waldgebiet der Region hat seinen urwüchsigen Charakter bewahrt, die Bäume stehen dicht und spenden reichlich Schatten.
Eine naturnahe Bewirtschaftung, die Erhaltung von Totholz und der Verzicht auf Kahlschläge prägen den Vorholz-Wald. Die Hiwweltour verläuft auf einem schattigen Weg bis zum Waldrand im Norden, dort hat man einen schönen Blick auf die idyllisch gelegene Gemeinde Bechenheim. Ich biege nach Westen ab und folge der Beschilderung bis zum Aussichtspunkt Nieder-Wiesen am Kahlenberg. Am „Tisch des Weines“ lege ich eine Trinkpause ein und mache ein Bild von mir mit dem Hiwweltour-Fotorahmen.
Nachdem ich den großartigen Ausblick auf die Hügel der Rheinhessischen Schweiz genossen habe, setze ich die Tour fort. Der Pfad wird kurvenreich und führt steil nach unten bis ins Tal des Dembachs. Parallel zum Bachverlauf geht es nun in Richtung Nieder-Wiesen. Der mit saftigem Gras bewachsene Weg ist gesäumt von Wiesenblumen in verschiedenen Farben. Gold-gelb schimmern die Ähren auf den Feldern rund um Nieder-Wiesen in der Sommersonne.
Furt in Nieder-Wiesen und Kneipp-Armbecken
Wenig später erreiche ich die malerische Gemeinde mit dem kleinen Wasserschloss, welches von den Freiherren von Hunolstein um 1725 erbaut wurde. Ein weiteres Highlight wartet gleich um die Ecke: die Furt durch den Wiesbach. Bei niedrigem Wasserstand kann man sie zu Fuß durchqueren. Ich wähle die Fußgängerbrücke und tauche auf der anderen Seite meine Unterarme in das Kneipp-Armbecken. Das Wasser ist kalt und herrlich erfrischend, die Abkühlung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.
Nach einer kurzen Rast auf der Sitzbank neben dem Kneipp-Armbecken marschiere ich weiter in südwestlicher Richtung. Der Weg führt parallel zum Wiesbach aus dem Ort hinaus. Entlang der Strecke stehen Bäume am Wegesrand und der Blick schweift beim Wandern über die Hügel und Felder der Umgebung. Es geht am Sportplatz vorbei, dort hat man die Möglichkeit zum Einkehren im Vereinsheim des TuS Nieder-Wiesen. Danach passiere ich den Zeltplatz Nieder-Wiesen und die Schniftenberger Mühle.
Historische Grenze am Wiesbach
Der nächste Abschnitt der Hiwweltour nach Süden verläuft wieder durch ein wunderbar schattiges Waldgebiet und parallel zum plätschernden Wiesbach. Einst befand sich hier die historische Grenze zwischen dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und dem Königreich Bayern. Der Vorholz-Wald wurde nach 1816 hessischer Staatswald und nach 1945 Staatswald von Rheinland-Pfalz, wobei der Wiesbach heute die Grenze zwischen Rheinhessen und der Pfalz markiert.
Mit Oberwiesen erreiche ich einen weiteren Ort in idyllischer Lage auf meiner Tour, allerdings „streift“ der Wanderweg die Gemeinde nur am nördlichen Ortsausgang. Wanderer können aber in Oberwiesen im Restaurant „Zum Waldbock“ einkehren, es befindet sich in direkter Nähe zum Weg. Außerdem gibt es einen alternativen Einstiegspunkt für die Hiwweltour, ein Schild weist auf den nur 200 Meter langen Zuweg bis zum Parkplatz Oberwiesen hin.
Kappelberg – höchste Erhebung Rheinhessens
Ich folge dem Wanderweg weiter, der nun als schmaler Pfad mit Wurzeln bergauf führt. Der Anstieg ist nicht besonders steil, dafür aber stetig. Das hat auch seinen Grund, denn es geht auf den „Gipfel“, die höchste Erhebung Rheinhessens. Der Kappelberg (358m) hat seit kurzem ein neues Gipfelkreuz mit Gipfelbuch, in das man sich eintragen kann. Das mache ich auch sogleich und lege auf der Bank eine Trinkpause ein. Der Kappelberg bietet zwar keine Aussicht, die höchste Erhebung liegt aber herrlich mitten im Wald.
Auf der letzten Passage der Wanderung bis zum Forsthaus Vorholz, dem Start- und Zielpunkt der Tour, genieße ich noch einmal die großartige Stille und wunderbar frische Luft im Wald. Immer wieder sehe ich Schmetterlinge und Insekten farbenfrohe Waldblumen am Wegesrand ansteuern. Ab und an raschelt es leise hinter den Bäumen, ich kann aber keine Waldtiere entdecken. Schließlich erreiche ich mit dem Forsthaus Vorholz das Ziel dieser schönen und abwechslungsreichen Hiwweltour.
Kneipp-Tretbecken und Napoleonstein am Forsthaus Vorholz
Zum Abschluss wartet am Forsthaus Vorholz auf müde Wanderfüße ein erfrischendes Kneipp-Tretbecken und eine Sitzgelegenheit. In direkter Nähe dazu befindet sich der Napoleonstein, ein 1,60 Meter hohes Sandstein-Monument. Die Aufschrift in drei Sprachen weist auf die Hochzeit Napoleons im Jahr 1810 hin. Rund um den/die Stifter des Steins ranken sich Legenden. Womöglich stand er ursprünglich in Alzey, vielleicht aber auch schon immer hier im Vorholz. Die Brüder Lavalle aus Offenheim, einst als Förster im französischen Staatsdienst tätig, könnten ihrem obersten Dienstherren ein Denkmal gesetzt haben.
Die Hiwweltour Vorholz ist wunderbar vielseitig und landschaftlich sehr kurzweilig. Schattige Abschnitte durch den artenreichen Vorholz-Wald wechseln sich ab mit hügeligen Feld- und Wiesenwegen mit reizvollen Fotomotiven. Neben dem weitläufigen Vorholz-Waldgebiet und den schönen Aussichtspunkten sind meine persönlichen Highlights der „Tisch des Weines“, die historische Furt in Nieder-Wiesen, der Kappelberg mit dem Gipfelkreuz und die beiden Kneipp-Becken.
Waldpfad Vorholz
Wenige Wochen nach der Eröffnung der Hiwweltour Vorholz wurde der Waldpfad im Forstrevier Vorholz eingeweiht. Der Rundweg startet am Forsthaus Vorholz, ist etwa 2 km lang und bietet an 6 interaktiven Stationen Waldwissen und Hintergrundinfos über die Forstwirtschaft. Der Waldpfad ist familienfreundlich und die Wege sind flach. Die Strecke kann auch mit einem geländetauglichen Kinderwagen oder Rollstuhl bewältigt werden. Die Stationen sind schön gestaltet und vermitteln zudem Tipps für einen umweltfreundlichen Alltag.
Neben den Stationen kann man mit der kostenlosen App „Actionbound“ auch eine Ralley durch den Wald starten. Dabei wird man auf dem Smartphone von einer Försterin und ihrem Hund begleitet. Auf der Hiwweltour kommt man an zwei dieser Stationen vorbei. Der Waldpfad ab dem Forsthaus Vorholz ließe sich mit der Hiwweltour kombinieren, wenn man ihn zu Beginn oder am Ende der Wanderung erkundet. Dadurch verlängert sich die Wanderung auf der Hiwweltour um die genannte Streckenlänge.
Naturdenkmal "Alte Eichen im Vorholz"
Seit dem Jahr 1982 sind die über 400 Jahre alten historischen Eichen im Vorholz-Wald als Naturdenkmal „Alte Eichen im Vorholz“ erfasst und geschützt. Vom Forstamt Rheinhessen gab es schon ab 1972 Bemühungen, die bedeutenden Alteichen unter Schutz zu stellen. Der Vorholz-Wald ist mit einer Fläche von 1.450 bis 1.500 Hektar das größte zusammenhängende Waldgebiet Rheinhessens. Der alte Baumbestand und seine ökologische Bedeutung für die Region zeichnen das beliebte Wander- und Erholungsgebiet aus.
Anreise
Die Hiwweltour kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, von der Bushaltestelle Mühlweg in Bechenheim folgt man der Obergasse bis zum Sportplatz am Waldrand (Länge etwa 500 m) und dann dem markierten Zuweg (Länge ca. 300 m) bis zum Start der Tour. Für die Wanderung empfiehlt sich rutschfestes Schuhwerk, bequeme Wanderbekleidung, Flüssigkeit zum Trinken und eine Rucksackverpflegung.
Die Hiwweltour Vorholz ist eine von fünf Hiwweltouren, die in diesem Jahr eröffnet wurden. In loser Folge erscheinen für alle „neuen“ Hiwweltouren Wanderberichte im Rheinhessenblog. Bleibt also dran. Alle Hiwweltouren findet ihr hier.