Weniger ist mehr – was den Rheinhessen-Wein-Jahrgang 2025 so besonders macht

Inhaltsverzeichnis

Die Qualität ist top, die Menge gering – so lässt sich der Jahrgang 2025 für Rheinhessen kurz und knapp zusammenfassen. Liebhaber rheinhessischer Weine dürfen sich auf aromatische Rieslinge und Burgunder freuen und darüber hinaus jede Menge Entdeckungen machen. Hier gibt es alle Infos, warum der neue Jahrgang so vielversprechend ist, wie er entstanden ist und weshalb sich ein genauer Blick auf die 2025er jetzt schon lohnt.

Wenig Wetterkapriolen und früher Erntebeginn

Rheinhessen-Wein: Junger Austrieb an einem Rebstock im Frühling, zarte grüne Blätter mit rötlichen Spitzen vor verschwommenem Weinbergs-Hintergrund.
Frisch gepresster Traubensaft wird aus einem Glas auf ein Refraktometer gegossen, um den Zuckergehalt zu messen.

Beim Blick auf den gemessenen Zuckergehalt in den Trauben Ende August mussten sich die Winzerinnen und Winzer in Rheinhessen in diesem Jahr erst einmal zwicken. So früh hatte niemand mit reifen Trauben gerechnet. Nicht wenige Winzer weilten noch im verdienten Urlaub, als der unerwartet frühe Startschuss zur Lese näher rückte. Dabei war das Wetter in diesem Jahr insgesamt eher durchschnittlich ausgefallen: Das Frühjahr ließ sich Zeit und kam nur langsam in Schwung, vom Spätfrost blieb die Region weitgehend verschont, richtig heiß wurde es erst Ende Juli und im August – und Regen gab es ausreichend. Nur im südlichen Rheinhessen schlug Mitte Juli der Hagel zu und sorgte stellenweise für größere Schäden an den noch unreifen Trauben. Alles in allem also ein mehr oder weniger unauffälliger Witterungsverlauf. Doch schon Mitte August deutete sich an, dass die Trauben auf die späte Sommerhitze nur gewartet hatten – und in rekordverdächtigem Tempo zu reifen begannen.

Rheinhessen-Wein-Handlese von weißen Trauben: Eine Person schneidet mit einer Rebschere eine Traube direkt von der Rebe.

„Wohl dem, der früh in die Lese gestartet ist“, fasste der rheinhessische Weinbaupräsident Jens Göhring die Situation zusammen. Der Startschuss fiel je nach Standort schon Ende August bis Anfang September – deutlich früher als erwartet. Und da viele Sorten nahezu gleichzeitig reif wurden, begann ein Leseherbst im Zeitraffer. „Das war ein Turboherbst, nach drei Wochen war alles vorbei“, meint Andreas Hattemer vom Weingut Kronenhof in Gau-Algesheim. Gute Organisation und Nerven aus Drahtseilen waren gefragt, mit sehr kurzen Nächten inklusive. Schon am 31. August erntete der Bio-Winzer seine Frühburgunder-Trauben. „Die Mostgewichte waren gigantisch“, erinnert er sich – beeindruckt von der außergewöhnlichen Qualität. Allerdings mussten die Winzerinnen und Winzer die Mostgewichte im Blick behalten. Denn je reifer die Trauben, desto höher der Alkohol – und das verlangte Fingerspitzengefühl und präzises Timing. 

Weinlese in Rheinhessen: Ein Mann leert einen vollen Traubenbottich mit weißen Trauben in einen großen Sammelbehälter im Weinberg.

Klasse statt Masse

Für ihre Mühe wurden die Winzer mit kerngesunden Trauben belohnt – so makellos wie lange nicht mehr – und mit Mosten, die herrlich duftend aus der Weinpresse liefen. Ein verheißungsvoller Vorgeschmack auf aromatische Weine mit ausgewogener Säure. Der einzige Wermutstropfen: Die Menge fiel überraschend gering aus. Rund 20 Prozent weniger als im Durchschnitt konnten die rheinhessischen Betriebe ernten. Doch die Qualität überzeugt: „Die Moste und ersten jungen Weine beeindrucken uns mit aromatischer Tiefe und leuchtender Spannung“, freut sich Johannes Hasselbach vom VDP-Weingut Gunderloch in Nackenheim über den vielversprechenden Jahrgang.

Weiß oder rot?

Vor allem die roten Sorten zeigen schon jetzt enormes Potenzial. Auch wenn der Trend derzeit klar in Richtung Weißwein geht, könnte 2025 für Rotweinliebhaber ein Geheimtipp-Jahrgang werden. Die Reife der Trauben und die dichte Aromatik stehen ihnen ausgezeichnet. Doch auch die weißen Sorten sind stark: Allen voran die Burgunder – egal ob weiß oder grau, und der Chardonnay sowieso. Der Riesling hingegen musste gegen Ende der Lese etwas kämpfen: Eine Woche Regen mitten in der Ernte verlangte eine besonders strenge Selektion. „Da war mehr Handlese nötig als gedacht“, berichtet Andreas Hattemer. Aber auch hier lohnte sich der Aufwand: Süße und Säure in aromatischer Balance lassen auf großartige Rieslinge hoffen.

Und: Vor allem Liebhaberinnen und Liebhaber rest- und edelsüßer Weine dürften 2025 auf ihre Kosten kommen. Gesunde Trauben, hohe Reife, stabile Säurewerte und geringe Mengen – ideale Voraussetzungen für Prädikatsweine von Spätlese bis Beerenauslese. Und weil es in diesem Jahr schon im November ein paar Tage Dauerfrost mit Temperaturen unter sieben Grad gab, liegen in den Kellern sogar seit langem mal wieder Eisweine, eine köstliche und langlebige Rarität, die mit ihrer wunderbaren Verbindung aus Süße und Säurefrische einen ganz besonderen Genuss verspricht.

Empfehlung: Was bietet der neue Jahrgang?

Für Weinliebhaber und Genießer bringt der Jahrgang 2025 in Rheinhessen reife und aromatische Weißweine mit fruchtiger, intensiver Stilistik ins Glas. Dank der guten Säurestruktur wirken sie frisch und lebendig – perfekt für den Genuss im Frühjahr und Sommer.

Auch Sammler kommen auf ihre Kosten: Burgunder in Weiß und Rot dürften Reifepotenzial zeigen, getragen von konzentrierter Frucht und klarer Struktur. Aufgrund der kleinen Erntemengen könnten viele dieser Weine allerdings schnell vergriffen sein. Die Weine aus den Ersten Lagen kommen nicht vor Mai 2026 auf den Markt, die Großen Gewächse sogar erst im September – bis dahin lohnt es sich, den Jahrgang in Ruhe zu entdecken und erste Eindrücke zu sammeln.

Ein Tipp: Viele Weingüter bieten im Frühjahr Verkostungsreihen an, bei denen die neuen Weine vorgestellt werden. Unter der Überschrift „Rheinhessen blüht auf“ gibt es eine Übersicht über Veranstaltungen, kulinarische Aktionen und Frühlingsangebote rund um den neuen Jahrgang – ideal, um die Vielfalt des neuen Jahrgangs schon früh zu erkunden.

Moderner Barriquekeller im Weingut Gutzler in Rheinhessen mit zahlreichen Holzfässern in gleichmäßigen Reihen, Backsteinwände und dezente Deckenbeleuchtung sorgen für eine warme, stimmungsvolle Atmosphäre.

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In Rheinhessen geboren und aufgewachsen bereise ich als Fachjournalistin Weinregionen in der ganzen Welt. Von dort zieht es mich immer wieder gerne zurück nachhause in das Land der 1000 Hügel. Rheinhessen ist für mich Heimat und mein Herz schlägt immer zuerst für rheinhessische Weine und Lebensart. Daran kann keine andere Region der Welt etwas ändern.

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