Auf den Spuren der Nibelungen in Worms

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Seit 2009 darf sich das mittelhochdeutsche Nibelungenlied ganz offiziell „Weltdokumentenerbe“ nennen und es wird seitdem von der UNESCO als bedeutsames Dokument eingestuft, das es zu bewahren gilt. Die Wormser wussten allerdings schon vor dieser offiziellen Ernennung um die wichtige Bedeutung „ihres“ Nibelungslieds. Mehr als dreißig Mal sind Worms und das Umland in dem Drama erwähnt. Kein Wunder, denn die Stadt am Rhein ist der Sitz der Burgunderkönige und hier spielt sich auch das zentrale Geschehen dieser Heldengeschichte ab.

Das Nibelungenlied, wie wir es heute kennen, wurde übrigens zu Beginn des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben. Die Nibelungensage, die im germanischen und skandinavischen Raum verbreitet wurde, ist allerdings noch wesentlich älter. Sie reicht bis in die Zeit der germanischen Völkerwanderung zurück. Im 18. Jahrhundert wurde das Nibelungenlied dann wiederentdeckt und im 19. sowie 20. Jahrhundert als Nationaleops der Deutschen gefeiert.

Eine Spurensuche in Worms

Wenn man sich in Worms auf die Spuren der Nibelungen machen möchte, dann bietet sich als Start das Haus zur Münze im Stadtzentrum an. Wo ehemals das prachtvolle Wormser Rathaus mit den lebensgroßen Bildern von Kriemhild, Siegfried und dem Drachen stand, befindet sich heute der Siegfriedbrunnen. Ganz oben setzt der Held des Epos triumphierend seinen Fuß auf den Drachen. Der Brunnen überstand die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet.

Relief am Haus zur Münze

Am Haus zur Münze zeigt ein Relief den Drachentöter von Xanten bei seinem Einzug mit seinen Gefährten in Worms. Das Sandsteinrelief von Georg Wrba wurde für das Cornelianum gefertigt, welches an dieser Stelle stand und 1945 zerstört wurde.

Das Heylsschlösschen

Das Heylsschlösschen am Schlossplatz ist ein Palais am angrenzenden Park, der den Ort markiert, wo das Schloss der Burgunder gestanden haben könnte. Defintiv hatte hier Karl der Große eine Pfalz. Danach befand sich an dieser Stelle das Bischofspalais. Vor dem Nordportal des Doms, der direkt neben dem Heylsschlösschen steht, sollen die Königinnen Brünhild und Krimhild ihren Streit um die Vorherrschaft im Nibelungenland ausgetragen haben.

Der Wormser Dom

Der Wormser Dom ist sehr sehenswert und darüber hinaus ist er auch die Kulisse für die Nibelungenfestspiele. Das Theaterfestival findet seit seiner Wiederbegründung 2002 jährlich im Sommer auf einer Freilichtbühne direkt vor dem Dom statt. An der Westseite des Doms liegt der Siegfriedstein. Wurde der schwere Felsbrocken tatsächlich von Siegfried dorthin geschleudert? Vermutlich ist der Stein allerdings das Gegenstück einer Baumkelter.

Der Heylshofgarten

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Dom und Heylsschlösschen befindet sich das Museum Heylshof mit dem wunderschönen Heylshofgarten. Während der Nibelungenfestspiele wird dieser Garten als Theaterfoyer genutzt. Auch die Premiere der Festspiele werden hier gefeiert. Bekannt ist der Garten aber noch für eine andere historische Person: hier soll Martin Luther vor dem Wormser Reichstag und Kaiser Karl V. gestanden haben und sich geweigert haben, seine Thesen zu widerrufen. Dieses historische Ereignis jährt sich übrigens 2021 zum 500.Mal. Grund für ein umfangreiches Programm an Ausstellungen und Veranstaltungen.

Das Schicksalsrad

Auf dem zentralen Obermarkt ist das Schicksalsrad zu sehen, das vom Wormser Künstler Gustav Nonnenmacher gestaltet wurde. Das bronzene Kunstwerk zeigt die bewegte Wormser Stadtgeschichte: geschichtliche Ereignisse sowie Szenen und Menschen der Stadt sind zu entdecken. Dargestellt sind auch die streitenden Könniginnen und ihr Ringen um die Macht über das Nibelungenland. Der Obermarkt ist ein beliebter Treffpunkt der Wormser.

Der Nibelungenliedbrunnen

Der Nibelungenliedbrunnen wurde ebenfalls vom Bildhauer Gustav Nonnenmacher erschaffen. Er befindet sich in der Wilhelm-Leuschner- Straße, der Fußgängerzone, die auch kurz „KW“ genannt wird, an der Ecke Rathenaustraße. Auf dem Brunnen zeigt der Künstler Szenen der Nibelungensage und es sind auch einige Textpassagen des Nibelungenlieds zu lesen.

Das Nibelungenmuseum

Wenn man von der Fußgängerzone zum Marktplatz und dann weiter in Richtung Rheinufer läuft, dann kommt man zur historischen Stadtmauer. Direkt am Fischerpförtchen ist das Nibelungenmuseum. Die multimediale Dauerausstellung beleuchtet als „begehbares Hörbuch“ den mysthischen Charakter der Nibelungensage. Das unterirdische Mythenlabor bietet Informationen zu Sagen der Welt. Auf dem Torturmplatz vor der Stadtmauer befindet sich „Siegfrieds Grab“, ein Kunstwerk des Wormser Künstlers Eichfelder.

Worms Nibelungen
Das Hagendenkmal

Vom Nibelungenmuseum sind es nur noch wenige Minuten zu Fuß bis zum Rheinufer. Hier erinnert das Hagendenkmal von Johannes Hirt (1905) an die Versenkung des Nibelungenschatzes durch Hagen von Tronje im Nibelungenland. Doch wo genau der Nibelungenhort, der sagenhafte und fluchbeladene Schatz, versenkt sein soll – man weiß es nicht.

Der Nibelungenturm

Den Abschluss des Rundgangs bildet das Nibelungentor auf der Nibelungenbrücke. Die Brücke verbindet das rheinland-pfälzische Worms mit dem hessischen Lampertheim-Rosengarten. Der 53 Meter hohe Torturm auf dem linksrheinischen Ufer wird heute als Herberge von Pfadfindern benutzt. Mächtig und imposant ist die Wormser Sehenswürdigkeit schon von weitem sichtbar.

Mehr Informationen für einen Besuch in Worms gibt es auch hier:
https://www.worms-erleben.de/

Die Nibelungensage in sehr verkürzter Form:

Nachdem Siegfried einen Drachen getötet und den Schatz der Nibelungen erobert hat, kommt er an den Königshof in Worms. Er will Kriemhild heiraten. König Gunther, der Bruder Kriemhilds, stimmt zu unter einer Bedingung: Siegfried soll ihm helfen Brünhild zur Frau zu gewinnen. Mit Hilfe einer Tarnkappe kann Siegfried Brünhild in drei Wettkämpfen besiegen und Gunther nimmt sie zur Frau. Siegfried und Gunther vergehen sich, ohne ihr Wissen, an Brünhild, worauf diese in Trauer und Hass versinkt. Hagen von Tronje will seine Herrin rächen, er verletzt Siegfried an dessen verwundbarer Stelle am Rücken tödlich und versenkt den Schatz im Rhein. Später heiratet Kriemhild den Hunnenkönig Etzel, sie entfesselt einen Kampf zwischen Nibelungen und Hunnen, bei dem fast alle sterben – auch Kriemhild. Dies ist die sehr verkürzte Form des Dramas.

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Aufgewachsen mit rheinhessischen und pfälzischen Wurzeln, erkunde ich Rheinhessen, die Pfalz und andere Regionen gerne bei Wanderungen, Radtouren und anderen Outdoor-Aktivitäten. Darüber berichte ich auf meinem Blog „People Abroad“ sowie für verschiedene Medien und Tourismusanbieter.

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