Bis zu zwölf Meter hohe Lösswände machen die Hohlwege zu einem einzigartigen geologischen Naturdenkmal in Rheinhessen
Le site Hiwweltour Alsheimer Hohlwege bietet ein besonderes Naturerlebnis, sie führt durch die einzigartigen Hohlwege der Gemeinde mit ihrer seltenen Pflanzen- und Tierwelt. Das Motto lautet „Wein. Wind. Stille.“, denn man wandert durch ertragreiche rheinhessische Weinberge, über flache und luftige Passagen mit Ausblicken und durch die stillen und schattigen Hohlwege. Der zertifizierte Prädikatswanderweg wurde im Mai 2026 eröffnet, er ist 14 Kilometer lang und man sollte rund 3,5 Stunden für die Wanderung einplanen
Entlang mächtiger Lösswände durch stille Hohlwege
Mit Kultur- und Weinbotschafterin sowie Naturpädagogin Sigrid Krebs starte ich am Bürgerhaus in Alsheim und wir wandern nach Norden in die Weinberge. Ein Schild am Wegesrand weist auf den Lehrpfad „WeinAromaMeile“ hin, darauf sind bekannte rheinhessische Rebsorten jeweils unterschiedlichen Fruchtaromen zugeordnet.
Während unserer Tour sind wir teilweise auch auf den bekannten Fernwanderwegen RheinTerrassenWeg et Lutherweg 1521 unterwegs, welche ebenfalls durch die Gemeinde Alsheim führen.
Schon bald erreichen wir die Krummsteighohl, den ersten von insgesamt fünf Hohlwegen auf dieser Hiwweltour. Die Lösswände sind hier bis zu 12 Meter hoch. Für Wildbienen (Löcher in den Lösswänden), Insekten, Schmetterlinge und zahlreiche Pflanzenarten wie die Steppenkirsche sind sie wichtige Lebensräume. Gerade in den Hohlwegen erhält man als Wanderer einen guten Einblick in das beeindruckende Artenreichtum rund um Alsheim.
Ausblicke und Fernsicht am "Tisch des Weines"
Von der Krummsteighohl geht es über den Helmut-Storf-Platz (mit Sitzbänken) und die mittlere Rheinterrasse bis zum „Tisch des Weines“. Dort hat man eine wunderschöne Aussicht in die Rheinebene. Zudem gibt es Sitzgelegenheiten, eine Liegebank und einen Fotorahmen für Schnappschüsse mit Ausblick. Wir legen eine Trinkpause ein und genießen die Fernsicht, bevor wir unsere Wanderung fortsetzen und dabei weitere Insekten und einige Streifenwanzen entdecken.
Sichelmöhren (Steppenroller) sind hier ebenso beheimatet wie Feld-Mannstreu, Deutscher Alant, Schafgarbe und Dost (Wilder Oregano). Auch die Färberhundskamille, den Elsässer Haarstrang und den Kompasslattich findet man. Der Löss ist ein Steppenboden und das Klima ist heiß und trocken. Daher gedeihen Steppenpflanzen besonders gut. Sie wurden ebenso heimisch wie die Trockenheit liebenden Tiere. Entdecken kann man etwa die Trichter des Ameisenlöwen und die Larve der Ameisenjungfer – ein seltenes, aber typisches Tier für die Hohlwege.
Magische Kirchenruine und weite Ausblicke über Rheinhessen
Wenig später kommen wir im Weiler Hangen-Wahlheim an ein Hinweisschild, welches auf einen Abstecher aufmerksam macht: die Ruines de l'église Sainte-Marie-Madeleine mit dem kleinen Friedhof. Die Pfarrkirche mit den besonderen Maßwerkfenstern stammt aus dem 13. Jahrhundert, der versteckte Ort hat etwas Magisches und strahlt gleichzeitig eine unglaubliche Ruhe aus. Nach einem Moment der Stille wandern wir bis zum verwunschenen Jugendstil-Wasserhaus von 1906.
Von dort führt die Hiwweltour durch weitläufige Felder mit wunderbaren Ausblicken bis zum Taunus und dem Odenwald. Auch die Städte Worms, Ludwigshafen und Mannheim lassen sich in der Entfernung bei guter Sicht ausmachen. Auf dieser Passage weht an heißen Sommertagen (wir wandern Mitte Juli) ein angenehmes und kühlendes Lüftchen. Über die schattige Münzelhohl kommen wir schließlich wieder an das Bürgerhaus in Alsheim. Hier endet der nördliche Teil der Tour.
Historische Rosenberghohl und Rosenberg-Rastplatz
Auf der 2. Schleife bzw. dem südlichen Teil der Hiwweltour überquere ich die L 438 und biege ein in die Rosenberghohl, nachdem ich mich von Sigrid verabschiedet und für die tolle Begleitung bedankt habe. Der südliche Abschnitt ist etwas länger als der nördliche. Beide Teilstrecken der Hiwweltour lassen sich jedoch auch problemlos einzeln und unabhängig voneinander erwandern.
In der Rosenberghohl befindet man sich auf einem teils historisch gepflasterten Weg, der hinauf bis zur Rheinterrasse ansteigt. In den Lösswänden verstecken sich etliche Wildbienenröhren und der Hohlweg sieht richtig wildromantisch aus durch das üppige Blätterdach der Robinien, unter dem man hindurchwandert. Bald schon ist mit dem Rosenberg-Rastplatz eine weitere Sitzgelegenheit erreicht.
Ehemaliger Steinbruch Steinkaut und Heiligenhäuschen
Der Weg verläuft ab hier in Richtung Westen bis zur Steinkaut, einem ehemaligen Steinbruch mit markanter Senke und steil emporragenden Lösswänden. Er prägt bis heute die Umgebung von Alsheim und mit den hier gewonnenen Steinen wurden Häuser, Scheunen und Mauern in der Gemeinde erbaut. Einst wurden im Steinbruch Kalkstein und Löss abgebaut, heute wachsen auf diesem Gebiet Weinreben und angrenzende Flächen sind als Biotop und Wildruhezone geschützt.
Bis zum Heiligenhäuschen ist es nicht mehr weit, man erreicht es über die Alte Mainzer Straße und einen schmalen Hohlweg. Das kleine Häuschen wurde 1440 vom Wormser Kloster Maria Münster erbaut an der Gemarkungsgrenze Alsheim – Dorn-Dürkheim. An dem höchsten Punkt der Tour weht ein angenehm kühlender Wind sanft über die rheinhessischen Hügel und man kann bis zur Bergstraße und dem Odenwald schauen.
Dorschberger Hohl und erfrischender Weißmühlbrunnen
Nach einer kurzen Pause und einigen Minuten Fußmarsch führt mich die Hiwweltour durch die Dorschberger Hohl mit Steppenrasen und durch ein Naturschutzgebiet mit seltenen Pflanzen- und Tierarten. Feld-Mannstreu (Steppenhexe), Zwerg-Kirsche und Haar-Pfrimmgras haben ebenso ihren Lebensraum in der Hohl wie Wildbienen, Sandwespen und Weiße Turmschnecken. Zudem gibt es Zwergfledermäuse, Zauneidechsen und den Mauerfuchs (Tagfalter).
Am Weißmühlbrunnen bei der historischen Weißmühle kann ich mich noch einmal erfrischen, bevor der letzte kurze Abschnitt bis nach Alsheim wartet. Die Event-Gastronomie „Zum alten Kelterhaus“ mit herrlichem Sommergarten liegt direkt am Wanderweg und bietet sich für eine Einkehr an. Auf der Speisekarte finden Wanderer Flammkuchen sowie Gerichte und Weine aus Rheinhessen. In der Nähe des Bürgerhauses Alsheim, dem Start- und Zielpunkt der Tour, gibt es alternativ dazu das Café Zuckerkuss, wobei man hier die Ruhetage beachten sollte.
Heidenturmkirche St. Bonifatius mit "Sarazenenturm"
Ein wunderbarer Abschluss der Wanderung ist der Besuch der Heidenturmkirche St. Bonifatius kurz vor dem Ziel, ein echtes Rheinhessen-Juwel. Die evangelische Pfarrkirche wurde im romanischen Stil um 1200 erbaut; außergewöhnlich ist der orientalisch geprägte „Sarazenenturm“. Kunstvolle Reste von Wandmalereien und einen prächtigen Chorbogen kann man im Inneren bestaunen. Sehr schön ist auch der Friedhofspark mit den historischen Grabsteinen und den alten Bäumen. In Alsheim gibt es noch die Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mit Bauelementen aus der Spätgotik und dem Barock.
Ma conclusion
Die Hiwweltour Alsheimer Hohlewege ist herrlich abwechslungsreich und landschaftlich vielseitig. Stille Abschnitte durch die besonderen Hohlwege wechseln sich ab mit weitläufigen Feldwegen, die dem Wanderer eine großartige Fernsicht ermöglichen. Neben der artenreichen Pflanzen- und Tierwelt der Hohlwege sind meine persönlichen Highlights die Kirchenruine St. Maria Magdalena im Weiler Hangen-Wahlheim und die Heidenturmkirche St. Bonifatius in Alsheim. Praktisch finde ich die Einkehrmöglichkeit am Ende der Wanderung und dass der Weg aus zwei Teilen besteht, wodurch sich die Tour verkürzen lässt.
Geführte Wanderungen auf der Hiwweltour
Die Hohlwegegruppe Alsheim bietet offene Führungen auf der Hiwweltour an, die von März bis Oktober immer am 3. Sonntag des Monats stattfinden. Am 3. Wochenende im September gibt es wegen des Alsheimer Weinwanderns keine Führungen. Darüber hinaus kann man bei der Hohlwegegruppe Alsheim auch Führungen für Gruppen anfragen (E-Mail-Adresse: kontakt@alsheimer-hohlwege.de).
Tipps
Die Hiwweltour kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, vom Bahnhof Alsheim gibt es einen markierten Zuweg (Länge etwa 500 Meter), der zum Startpunkt der Wanderung führt. Für die Wanderung empfiehlt sich rutschfestes Schuhwerk, bequeme Wanderbekleidung, Flüssigkeit zum Trinken und eine Rucksackverpflegung
Die Hiwweltour Alsheimer Hiohlwege ist eine von fünf Hiwweltouren, die in diesem Jahr eröffnet wurden. In loser Folge erscheinen für die anderen vier „neuen“ Hiwweltouren ebenfalls Wanderberichte im Rheinhessenblog. Bleibt also dran.