Hiwweltour Wasserturm: Wandern rund um Wöllstein

Inhaltsverzeichnis

Die Hiwweltour Wasserturm führt durch das malerische Appelbachtal, die idyllischen Naturschutzgebiete Ölberg und Höllberg, und bietet herrliche Panoramablicke auf die Weinberge der Region. Weitere Highlights auf der Tour sind der Märchenweg und der Wöllsteiner Wasserturm. Der Prädikatswanderweg wurde im Mai 2026 eröffnet, er ist 6,1 Kilometer lang und man sollte etwa 1:40 Stunden dafür einplanen.

Die Hiwweltour Wasserturm startet am Gemeindezentrum in Wöllstein und verläuft am Freizeit- und Erlebnisbad „Am Schlossstadion“ entlang in das idyllische Appelbachtal. Dabei folge ich dem Vogel-Lehrpfad „Im Tälchen“ mit den Hinweistafeln zu den Vögeln, die hier heimisch sind. Auf der rechten Seite liegt das Weingut Müller mit Rheinhessen-AUSGEZEICHNET-Vinothek, hier könnte man gleich zu Beginn der Wanderung einkehren und feine rheinhessische Rebsorten probieren. Wenige Schritte weiter bin ich schon aus Wöllstein draußen und befinde mich mitten in der Natur. Vögel sehe ich zwar keine, aber ich kann sie aus der Entfernung zwitschern hören.

Weinlounge vom Weingut Müller in Wöllstein mit Sitzplätzen im Grünen
Weinlounge vom Weingut Müller in Wöllstein mit Sitzplätzen im Grünen
Nistkasten am Vogel-Lehrpfad inmitten der Natur
Nistkasten am Vogel-Lehrpfad inmitten der Natur

Eisenbahnbrücke und Ölberg-Steinbruch

An der historischen Eisenbahnbrücke „Bawettche“ gibt es einen idyllischen Platz mit Steinen im Flussbett und einer Sitzbank. Einst verlief über die Brücke die Nebenbahnstrecke Sprendlingen – Fürfeld, auf der Wein, Zuckerrüben und vor allem Gestein transportiert wurden. Heute ist die Trasse beliebt bei Wanderern und Radfahrern. Der Wanderweg führt allerdings nicht über die Brücke, sondern durch den alten Ölberg-Steinbruch. Hier wurde früher das Vulkangestein Rhyolith abgebaut. Inzwischen ist er ein Naturschutzgebiet und Biotop mit trockenem Milieu, in dem seltene Pflanzen und gefährdete Tierarten leben. Damals wurden große Abbaumengen u.a. für den Bau des Westwalls verwendet. Mit der Ernennung zum Naturschutzgebiet 1983 eroberte sich die Natur den Berg wieder zurück. Der Ölberg-Steinbruch ist auch eine Station auf dem Küstenweg Rheinhessen, der Wöllstein, Siefersheim und Neu-Bamberg verbindet.

Historische Eisenbahnbrücke über einen Bach im Wald
Die historische Eisenbahnbrücke des "Batwettche".
Alter Ölberg-Steinbruch im Naturschutzgebiet mit markanten Felswänden
Der alte Ölberg-Steinbruch beeindruckt mit markanten Felsen im Naturschutzgebiet.

Verträumter Märchenweg und Schutzhütte

Nachdem ich die spannenden Formationen aus Vulkangestein hinter mir gelassen habe, marschiere ich an der Straußwirtschaft Alte Ölmühle (ein weiterer Tipp zum Einkehren) vorbei in Richtung Südwesten bis zum Märchenweg. Die Wöllsteiner Bildhauerin Stefanie Neumann schuf insgesamt sechs Märchenfiguren aus Aluminium, die jeweils auf einem Betonsockel stehen und mit Tafeln versehen sind. Pippi Langstrumpf und Rumpelstilzchen kann man ebenso entdecken wie den kleinen Muck und Urmel aus dem Eis. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und zeigen handwerkliches Können. Die Wöllsteiner Theatergruppe führte einst Stücke um die Figuren auf. Man wollte etwas Bleibendes schaffen, stiftete vier Figuren und zwei weitere wurden durch Spenden finanziert.

Straußwirtschaft Alte Ölmühle mit Außenbereich und Sitzplätzen
Die Straußwirtschaft Alte Ölmühle liegt direkt an der Hiwweltour.
Rumpelstilzchen-Figur am Märchenweg im Wald
Rumpelstilzchen-Figur am Märchenweg im Wald

Der schattige Märchenweg führt bis zur Schutzhütte an der Katzensteiger Mühle. An diesem Punkt treffen die Hiwweltour Wasserturm und die Hiwweltour Heideblick aufeinander. Dadurch hätte man die Möglichkeit, beide Touren miteinander zu verbinden auf einem großen Rundweg von rund 16 km Länge. Die Hiwweltour Heideblick ist 9,9 km lang und führt durch Rheinhessens wunderbare Heidelandschaft etwas südlich der beiden Gemeinden Neu-Bamberg und Siefersheim. An der Schutzhütte lege ich eine kurze Trinkpause ein, bleibe anschließend auf meiner bisherigen Hiwweltour und folge dem Weg hinauf in die Höhe. Hier wachsen die schützenswerte Küchenschelle (Kuhschelle) und Gelbsterne (Goldsterne), das Gebiet steht unter Naturschutz. Beide Pflanzen sind richtige Überlebenskünstler, da sie am trockenen Felshang gedeihen. Gleichzeitig sind sie selten und stark gefährdet.

Aussichtspunkt Hexenkanzel mit Blick ins Appelbachtal

Bald erreiche ich den Höllberg und den Aussichtspunkt Hexenkanzel, von dem man einen wunderbaren Blick ins beschauliche Appelbachtal hat. Unter mir liegen saftige Wiesen und die Gemeinde Neu-Bamberg, eingerahmt von den bewachsenen Hügeln der Umgebung. Der Weg biegt nun nach Osten ab und bietet dem Wanderer neue Ausblicke auf ertragreiche Weinberge, die terrassenförmig angelegt und mit Trockenmauern durchzogen sind. In den Weinbergen soll es Eidechsen geben, die an warmen Sommertagen Sonne tanken. Die „Hiwwel“ rund um Wöllstein sind ideal dafür geeignet.

Schattiger Wanderweg durch das beschauliche Appelbachtal
Der schattige Weg durch das Appelbachtal.
Ausblick von der Hexenkanzel auf Neu-Bamberg und die rheinhessische Landschaft
Ausblick von der Hexenkanzel auf Neu-Bamberg und die rheinhessische Landschaft

Rastplatz am Wegekreuz mit Fotorahmen

Auf dem Abschnitt bis zum nächsten Rastplatz hat man einen herrlichen Ausblick auf die Gemeinde Siefersheim. Man folgt auch hier dem Küstenweg Rheinhessen, der zwischen Wöllstein, Siefersheim und Neu-Bamberg verläuft. Vom Rastplatz am Wegekreuz genieße ich die großartige Fernsicht auf die rheinhessische Landschaft und lege eine weitere Trinkpause ein. Es gibt Sitzbänke, eine Ruheliege und einen Fotorahmen für Schnappschüsse. Für das im Jahr 2011 errichtete imposante Wegekreuz wurden historische Eichenbalken aus dem 18. Jahrhundert verwendet, sie stammen aus dem Abriss eines Wöllsteiner Bauernhauses. Das Wanderziel der Hiwweltour – die Gemeinde Wöllstein – hat man am Wegekreuz schon im Blick.

Fotorahmen mit Fernblick über die rheinhessische Landschaft
Der Fotorahmen bietet ein besonderes Motiv mit weitem Panoramablick über Rheinhessen.
Informative Wegweiser an der Hiwweltour Wasserturm
Übersichtliche Wegweiser helfen Wanderern bei der Orientierung.

Vom Rastplatz führt der Wanderweg weiter durch die Weinberge und am Höllberg vorbei nach Westen und später nach Osten. An den Rebstöcken hängen Ende Juli reichlich Trauben und die Weinlese, meine Lieblingsjahreszeit in Rheinhessen, ist nicht mehr weit entfernt. Gerade zur Weinlese lohnt es sich die Region zu besuchen und Wanderungen mit dem Einkehren in Straußwirtschaften, Gutsschänken, Weinstuben und Vinotheken zu verbinden – und dabei Federweißer und regionale Köstlichkeiten zu probieren.

Wöllsteiner Wasserturm – Wahrzeichen und Namensgeber der Tour

Schließlich erreiche ich ihn, den Namensgeber dieser Hiwweltour und gleichzeitig das Wahrzeichen der Gemeinde: den Wöllsteiner Wasserturm. Erbaut wurde der denkmalgeschützte Turm im Jahr 1906 an einer prägnanten Stelle auf dem Höllberg. An Wochenenden und Feiertagen ist er geöffnet und dann kann man ihn erklimmen. Der Wächter vom Höllberg wird auch „Juliusturm“ genannt in Anlehnung an den damaligen Bürgermeister Julius Moller. Der Wasserbehälter befindet sich übrigens nicht im Turm, sondern im Erdreich. Einst diente das Bauwerk nicht nur zur Wasserversorgung, sondern auch als strategischer Beobachtungsposten.

Historischer Wöllsteiner Wasserturm zwischen Weinbergen
Der historische Wöllsteiner Wasserturm ist ein markantes Wahrzeichen.
Wöllsteiner Wasserturm, auch Juliusturm genannt
Ein Aufstieg lohnt sich - An Wochenenden und Feiertagen ist er geöffnet.

Der Turm wurde im Jahr 2025 umfangreich saniert, er wird heute für Veranstaltungen und kulturelle Events genutzt. Darüber hinaus ist er ein beliebter Treffpunkt und schöner Picknickplatz. Ich nutze die Gelegenheit an dem schönen Platz für eine weitere kleine Rast, bevor es zum Endspurt in Richtung Wanderziel geht. Der Weg führt hinab in die Gemeinde Wöllstein, am Gästehaus Reeh (Pension) vorbei bis zum Parkplatz am Gemeindezentrum. Dort ist der Start- und Zielpunkt der Hiwweltour Wasserturm.

Blick auf Wöllstein mit Weinbergen und Start und Ziel der Wanderung
Blick auf Wöllstein: Start und Ziel der Hiwweltour Wasserturm

Wöllstein nach der Wanderung: Schwimmbad und Einkehrtipps

Nach Abschluss der Wanderung bietet Wöllstein verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise kann man sich die katholische Pfarrkirche St. Remigius und die evangelische Kirche Wöllstein anschauen oder sich im Freizeit- und Erlebnisbad „Am Schlossstadion“ nach der Tour erfrischen und entspannen. Außerdem gibt es für den Wanderer eine gute Auswahl an Adressen zum Einkehren, etwa der Gasthof Geheischnis und die Straußwirtschaft El Vino.

Ein Wasserbecken im Freizeit- und Erlebnisbad Wöllstein
Erfrischung am Ziel: Freizeit- und Erlebnisbad Wöllstein

Mein Fazit

Die Hiwweltour Wasserturm ist herrlich abwechslungsreich und landschaftlich sehr reizvoll. Schöne Aussichtspunkte mit wunderbarem Weitblick finden sich ebenso wie idyllische Abschnitte in hügeligen Weinbergen, bewaldete Passagen und schattige Trassen. Meine persönlichen Highlights sind die Eisenbahnbrücke, der alte Ölberg-Steinbruch, der Märchenweg, der Rastplatz am Wegekreuz und der historische Wöllsteiner Wasserturm.

Tipps

Wöllstein erreicht man mit dem Auto über die A61, wenn man die Ausfahrt Gau-Bickelheim nimmt und über die B420 in Richtung Wöllstein fährt. Am Gemeindezentrum in Wöllstein gibt es einen Parkplatz, dort ist auch der Start- und Zielpunkt der Hiwweltour. Für die Wanderung empfiehlt sich rutschfestes Schuhwerk, bequeme Wanderbekleidung, Flüssigkeit zum Trinken und eine Rucksackverpflegung.

Die Hiwweltour Vorholz ist eine von fünf Hiwweltouren, die in diesem Jahr eröffnet wurden. In loser Folge erscheinen für alle „neuen“ Hiwweltouren Wanderberichte im Rheinhessenblog. Bleibt also dran. Alle Hiwweltouren findet ihr hier.

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Aufgewachsen mit rheinhessischen und pfälzischen Wurzeln, erkunde ich Rheinhessen, die Pfalz und andere Regionen gerne bei Wanderungen, Radtouren und anderen Outdoor-Aktivitäten. Darüber berichte ich auf meinem Blog „People Abroad“ sowie für verschiedene Medien und Tourismusanbieter.

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