Die Hiwweltour Saulheimer Hölle führt von Saulheim durch die idyllische Mühlbachaue zu wunderbaren Rastplätzen und Aussichtspunkten. Großartige Panoramablicke bieten sich am „Donnersbergblick“, auch auf die „Saulheimer Hölle“, am Selztalblick und am „Tisch des Weines“. Der Prädikatswanderweg wurde im Mai 2026 eröffnet, er ist 10,5 Kilometer lang und man kann rund 2:45 Stunden dafür einplanen.
Hiwweltour Saulheimer Hölle: Durch die Mühlbachaue und Weinberge
Die Hiwweltour Saulheimer Hölle beginnt am Bürgerhaus in Saulheim neben dem Nachbarschaftsspielplatz. Vom Parkplatz biege ich ab in südwestlicher Richtung und laufe am Mühlbach entlang. Schon nach wenigen Minuten ist das erste Highlight dieser Wanderung erreicht: die idyllische Mühlbachaue. Das renaturierte Auengebiet zwischen Ober- und Nieder-Saulheim ist ein herrlicher Landschaftspark mit schattigen Erholungsplätzen und Sitzgelegenheiten. Wasserflächen und Nebenarme des Mühlbachs wechseln sich am Wegesrand ab und man kann Enten, Gänse und mit etwas Glück auch Blesshühner, Frösche und Wildbienen beobachten. Die Wege durch das 14 Hektar große Auengebiet und Biotop sind barrierefrei und mit Weiden, Pappeln und Erlen gesäumt.
Wasserhäuschen und Donnersbergblick: Aussicht bis zum Donnersberg
Von der Mühlbachaue marschiere ich aus der Gemeinde hinaus und bergauf in die Weinberge. Nach einem kurzen Anstieg geht es nach links und vorbei am Ober-Saulheimer Wasserhäuschen im Jugendstil, erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts, bis zum Rastplatz „Donnersbergblick“. Hier weitet sich der Blick über die rheinhessischen Hiwwel bis zum Donnersberg, dem höchsten Berg der Pfalz, und bis in den Odenwald. Die Aussicht ist wunderschön und der Rastplatz bietet Bänke zum Verweilen und Relaxliegen zum Entspannen. Ich genieße die tolle Fernsicht bei dem guten Wetter und lege eine Trinkpause ein, bevor es weitergeht. Es ist Mitte August, die Weinreben in der Region hängen voller Trauben und die Weinlese in Rheinhessen ist nicht mehr weit entfernt.
Neebs Wäldchen und Aussicht auf die Saulheimer Hölle
Wenig später wandere ich an Neebs Wäldchen entlang, das Mitte des 19. Jahrhunderts vom damaligen Bürgermeister Prof. Johannes Neeb angelegt wurde. Damals herrschte in Rheinhessen ein Mangel an Bau- und Brennholz, worauf er ein Akazienwäldchen pflanzen ließ. Die Baumart ist schnellwachsend und ihr Holz sehr haltbar und biegsam. Der Mangel konnte somit rasch behoben werden und aufgrund des Erfolgs wurden weitere Akazien in Rheinhessen angepflanzt. Nach dem Wäldchen führt der Wanderweg weiter nach Westen und in die Höhe zum Blick „Saulheimer Hölle“. Dieser bekannten Weinbergslage verdankt die Hiwweltour ihren Namen. Die Böden aus Kalkmergel und die windgeschützte Lage bringen exzellente Rotweine und Rieslinge mit ausgeprägter Mineralität hervor.
Die Einzellage ist nach Süden hin ausgerichtet, sie befindet sich am Rand eines Kalkplateaus. Man geht davon aus, dass es vor rund 30 Millionen Jahren entstanden ist. Fruchtbarer Löss und sonnenverwöhnte Reben sind die Zutaten der Top-Weine der Saulheimer Hölle, wobei mit der „Hölle“ in dem Zusammenhang ein leichter Abhang gemeint ist und nicht der Ort der ewigen Verdammnis. Von dem Aussichtspunkt bis zur nächsten Sitzgelegenheit sind es nur wenige Schritte. Hier gibt es eine Streuobstwiese mit Bäumen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen und damit Nahrung für Wildbienen und Schmetterlinge bieten. Die heutige Streuobstwiese knüpft an die Tradition der Obstgärten an, die es früher in der Region gab. Der Rastplatz mit der Sitzbank ist wunderbar idyllisch.
Steinkaute und landwirtschaftliche Mischkultur
Anschließend folge ich dem Wanderweg nach Norden über ein ausgedehntes Hochplateau, welches landwirtschaftlich genutzt wird. Auch auf diesem Abschnitt hat man herrliche Ausblicke in alle Himmelsrichtungen. Die Fernsicht reicht an diesem Sommertag bis in den Rheingau und zum Großen Feldberg im Taunus. Am Weg passiere ich die ehemalige Steinkaute von Nieder-Saulheim, die heute verfüllt und ebenfalls eine landwirtschaftliche Fläche ist. Die einstige Kalksteingrube grenzt an den historischen Feldweg zu Partenheim, der die umliegenden Weinbaugemeinden verbindet. Man wandert auf diesem Abschnitt übrigens auf dem Jakobsweg.
Selztalblick - Rastplatz mit perfektem Weitblick
An dem Grenzweg der Gemarkung wandere ich hinunter bis zum Rastplatz Selztalblick mit den Sitzgelegenheiten und dem Fotorahmen aus Holz. Die Aussichtspunkte auf den neuen Hiwweltouren sind perfekt gewählt, denn sie bieten dem Wanderer zusätzliche Highlights neben den klassischen Sehenswürdigkeiten, die sich an den Strecken befinden. Während meiner Rast und einer Vesper genieße ich den Blick ins malerische Selztal und auf die Weinberge der Umgebung. Danach geht es weiter auf einem Abschnitt des Jakobsweges am Bergs-Heisje, dem Rutschhang Klauer und am Gabelberger Brünnchen vorbei in die Höhe.
Blick übers rheinhessische Urmeer am Tisch des Weines
Schon wartet die nächste Sitzgelegenheit am Wegesrand, der „Tisch des Weines“ mit dem Ausblick in das Mainzer Becken. An dieser Stelle befand sich vor Jahrmillionen ein Urmeer, worauf Muschelfunde hindeuten. Rheinhessen lag seinerzeit in einer Lagune mit Riffen, es bildeten sich Kalke und Ton und Sandschichten lagerten sich ab. Später zog sich das Meer zurück und es blieb eine Hochfläche. Typisch für die Region sind alte Tonmergel-Ablagerungen, die bei Regen in Bewegung geraten und zentimeterweise rutschen. In den Mulden sammelt sich Wasser, es bilden sich Wildnisinseln (Klauer) im Weinbergsmeer und Grundwasser fließt durch schmale Spalten im Kalk. Eine spannende Erdgeschichte, die noch heute sichtbar ist und die Region Rheinhessen prägt.
Rheinhessische Hochfläche mit traumhaften Fernblicken
Vom „Tisch des Weines“ wandere ich am Weißen Haus vorbei in südlicher Richtung über die weite Hochfläche. Anbaufelder mit Mischkultur findet man hier und eine Sitzbank steht am Wegesrand. Über die Ebene weht ein leichter und kühlender Wind, in der Entfernung ist wieder der Donnersberg zu sehen, wie auch ein kleiner Teil der Erhebung des Odenwaldes. Der Abschnitt der Hiwweltour ist ebenso aussichtsreich wie die Rastplätze/-punkte, die ich bereits erwandert habe. Es gibt nur wenige sanfte An- und Abstiege auf der Strecke und auch hier ist die Beschilderung der Tour mit den Wegweisern und Hinweisschildern in Sichtweite.
Nun geht es an Weinreben entlang weiter nach Süden Richtung Saulheim. Die Reben tragen üppige Weintrauben, die in den kommenden Wochen von den Winzern geerntet werden. Bald ist die Mühlbachaue wieder zu sehen, ich wandere den Weinberg hinab und wenig später befinde mich am Ortseingang der Gemeinde Saulheim. Zum Abschluss der Tour laufe ich durch das idyllische Auengebiet zurück bis zum Parkplatz am Bürgerhaus. Dort ist der Start- und Zielpunkt der Hiwweltour Saulheimer Hölle.
Saulheim entdecken: Sehenswürdigkeiten und Einkehrtipps
Wenn man nach der Wanderung noch Zeit in Saulheim verbringen möchte, kann man sich die katholische Kirche St. Bartholomäus und die evangelische Kirche Nieder-Saulheim anschauen. Beide stehen in direkter Nähe zum Rathaus. Nicht weit davon entfernt ist das Heimatmuseum Saulheim, welches aktuell allerdings wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist. Das schöne historische Gebäude kann man sich aber zumindest von außen ansehen. Zum Einkehren bieten sich die Vinothek Schloßgartenhof – Weingut Dörrschuck und die Gutsschänke Weidenberger-Hof an. Vor dem Start der Wanderung kann man übrigens morgens im Hotel Lehn frühstücken.
Mein Fazit
Die Hiwweltour Saulheimer Hölle ist wunderbar vielseitig und landschaftlich sehr abwechslungsreich. Großartige Aussichtspunkte mit herrlichem Weitblick wechseln sich ab mit idyllischen Abschnitten durch rheinhessische Weinberge. Meine persönlichen Highlights sind die Mühlbachaue, der Rastplatz „Donnersbergblick“, die Aussicht auf die Saulheimer Hölle, die weite Hochfläche, der Selztalblick und der „Tisch des Weines“. Die Hiwweltour bietet wunderschöne Eindrücke, es gibt allerdings wenig schattige Passagen, weshalb ich die Wanderung an heißen Sommertagen am frühen Vormittag empfehlen würde.
Anreise und Tipps
Die Hiwweltour ist vom Bahnhof Saulheim über einen markierten Zuweg (Länge 900 m) erreichbar. Mit dem Auto erreicht man die Gemeinde über die A63, wenn man die Ausfahrt Saulheim nimmt und über die L401 in Richtung Saulheim fährt. Am Bürgerhaus gibt es einen Parkplatz, dort ist auch der Start- und Zielpunkt der Hiwweltour. Für die Wanderung empfiehlt sich rutschfestes Schuhwerk, bequeme Wanderbekleidung, Flüssigkeit zum Trinken und eine Rucksackverpflegung.