Nibelungen-Festspiele Worms: Ein magischer Sommerabend zwischen Dom, Drachenblut und Theater

Inhaltsverzeichnis

"Liebe und Hass, Baumriesen und Drachenblut!“

Das besondere Flair der Nibelungen-Festspiele Worms

Die Nibelungen-Festspiele Worms zählen zu den außergewöhnlichsten Kulturveranstaltungen Deutschlands. Vor der beeindruckenden Kulisse des Wormser Doms verbindet das Open-Air-Theater jedes Jahr die Nibelungensage mit zeitgenössischen Themen und einem einzigartigen Sommererlebnis im Heylshofpark.

Der übermenschlich-starke Siegried, die schöne Kriemhild, der böse Hagen: Das Nibelungenlied kennen wir noch aus dem Schulunterricht. Ein vielschichtiges, sich über Jahrzehnte spannendes, deutsches Heldenepos. Es geht um Liebe und Hass, Verrat und Krieg. Viele zentrale Szenen des UNESCO-Weltdokumentenerbes spielen in Worms, das sich daher auch Nibelungenstadt nennt. Alljährlich erwachen dort bei den gleichnamigen Festspielen die Königinnen, Krieger und andere Charaktere zum Leben: Dies immer wieder neu, vielseitig, in moderner Sprache und mit überraschender Inszenierung. Das Geschehen auf der Open-Air-Bühne vor der mächtigen Kulisse des Doms betten die Verantwortlichen in ein Gesamterlebnis ein. Im Heylshofpark – auch schönstes Theaterfoyer Deutschlands genannt – erwarten die Gäste vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause Genüsse für alle Sinne: illuminierte Baumriesen, Drachenblut-rotes Wasser, chillige Musik und Köstliches für den Gaumen. Marina Noble war dort im Rahmen der aktuellen Produktion „Die Hunnenkönigin“ unterwegs. Diese läuft noch bis zum 2. August und mit etwas Glück gibt es Restkarten.

Bereits am Eingang – dem historischen Kunsthaus des Museums Heylshof – wird klar: Das wird kein literarisch-schwerer, sondern ein bunter und fröhlicher Abend. Die Gäste aus allen Altersschichten und ganz unterschiedlich gekleidet haben gute Laune, lachen und plaudern. Vorfreude liegt in der Luft. Diese steigert sich im Heylshofpark, einem romantischen Landschaftsgarten: Das Grün der riesigen Bäume und Pflanzen sprenkeln weiße Zelte und Sonnenschirme. Im Hintergrund grüßen die hohen Türme des Doms. Sofa-Ecken, mit Hussen in Szene gesetzte Garnituren und Fässer als Stehtische tragen zur entspannten Atmosphäre bei.

Los geht´s am historischen Kunsthaus des Museums Heylshof
Gemütliche Ecken und Dinnerzelt

Flair und Genuss im schönsten Theaterfoyer Deutschlands

Beim Flanieren durch den Park eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven. Es gibt viel zu entdecken. Nahe dem Eingang verdeutlicht eine Schatztruhe mit Drachen, dass die Festspiele durchaus auch eine politische Botschaft haben: „Der wahre Schatz liegt darin, Gewalt keinen Raum zu geben“ sagt uns die kryptische Schrift. Ein wenig weiter entwickelt sich ein blutroter Wasserlauf schnell zum beliebten Foto- und Selfie-Spot: Die Farbe symbolisiert den Lebenssaft des Drachens, den Siegfried der Sage nach besiegt. Weiter hinten erinnern die überdimensionalen, bronzenen „Die Großen Schuhe Luthers“: An diesem Ort hat dieser sich geweigert, seine Schriften zu widerrufen.

Schatzkiste mit Drachen und politscher Botschaft
Drachenblut-roter Wasserlauf und Dom

Niemand muss hungrig in die Vorstellung gehen. Das kulinarische Angebot ist breitgefächert. Sicherlich ein Highlight bildet das „Nibelungen-Dinner“ in einer Fleisch- oder vegetarischen Variante, welche das aufmerksame Team des bekannten Caterers Gaul im Dinnerzelt entspannt und ohne Hast serviert. Alternativ gibt es ausgewählte Gerichte á la carte zu bestellen. Besonders hübsch sind die mit Blumen dekorierten Plätze auf der Terrasse mit Blick auf das bunte Geschehen. An anderen Ständen reicht die Auswahl von der Käsewurst mit Kartoffel-Gurkensalat über Rheinhessen-Burger und Flammkuchen bis zur Sommersalat-Bowl oder Käse-Teller.

Festlich gedeckter Tisch im Dinnerzelt der Nibelungen-Festspiele
Hübsch gedeckter Tisch im Dinnerzelt

Zelebriert wird auch das „Weinerlebnis“ mit guten Tropfen aus Rheinhessen und der Pfalz. Diese kommen zu zivilen Preisen an den verschiedenen Ständen zum Ausschank. In der Wein-Lounge zeigen die Wormser Winzer was ihre unweit gelegenen Weinberge hergeben. Später eröffnet die stylische Heylshof-Lounge, die Burgundersorten aus den sechs rheinland-pfälzischen Anbaugebieten zur Verkostung anbietet.

Weinstand der Wormser Winzer im Heylshofpark während der Nibelungen-Festspiele
Die Wormser Winzer zeigen ihr Können

Zur chilligen und friedlichen Atmosphäre tragen auch die Musik-Acts bei. An unserem Abend interpretiert der Piano-Man Gabriel Groh bekannte Melodien im entspannten Lounge-Gewand. Über alle Vorstellungstage konzentriert sich das musikalische Begleitprogramm vor Beginn der Vorstellung und in der Pause auf Jazz, Chanson und akustischen Pop.

Musik liegt in der Luft …
… und Geselligkeit.

Nibelungen-Festspiele Worms: Jedes Jahr eine neue Uraufführung vor dem Dom

Eine freundliche Frauenstimme kündigt über Lautsprecher an: Es wird Zeit, die Plätze einzunehmen. Schon das Betreten der Tribüne fesselt die Sinne. Mächtig erhebt sich die Nordfassade des Doms, daran befestigt drei riesige LED-Bildschirme, auf der Bühne eine Drehscheibe als Schicksalsrad, rechts im Eck der Aufbau der Band. Auch rechts und links der Bühne erheben sich Zuschauerreihen – ein Novum in diesem Jahr und ein Hauch von Shakespeare, der dieses Set-Up mochte. So sitzen die Besucher mitten im Geschehen.

Dom St. Peter und imposante Freilichtbühne der Nibelungen-Festspiele Worms
Schon der Bühnenraum fesselt die Sinne

Was wird auf der Bühne passieren? Ulrike Löffler kennt die Festspiele wie kaum jemand anders. Seit dem ersten Jahr 2002 hat sie jedes Jahr die Aufführung mindestens einmal besucht und erklärt: „Es gibt jedes Jahr ein komplett neues Stück, also eine Uraufführung, die unterschiedliche Aspekte und Charaktere der Nibelungen beleuchtet, eine neue Inszenierung und Sichtweise.“ Dies ist ihr im Rückblick besonders in Erinnerung geblieben: Der bekannte Schauspieler Mario Adorf, der 2002 mit über 70 Jahren als Hagen auf der Bühne stand. „Eine unglaubliche Bühnenpräsenz und Leistung – bei jedem Wetter.“ Der ebenfalls bereits verstorbene Comedian Dirk Bach brillierte unter der Regie von Dieter Wedel 2010 als Charakterdarsteller und Sänger. Ein besonderes technisches Highlight waren für sie die Gesichter und Fratzen der Schauspieler, darunter das von Jimmy Blue Ochsenknecht, die 2018 per Computer-Animation überdimensional auf die Domwand kamen. Oder als besonderes Bühnenbild 2022 die riesige Wasserlandschaft, in der die Schauspieler bis zum Knöchel im Nass spielten. Legendär ist auch das Eispferd der Brünhild, das in den ersten Jahren tatsächlich aus Eis bestand – in einer riesigen Kühlkammer konserviert und mit allerlei Spezialeffekten ausgestattet.

Domkulisse mit Gesichtern: Inszenierung "Siegfrieds Erben" 2018 © David Baltzer

Die Hunnenkönigin bei den Nibelungen-Festspielen: Aktuelle Themen und großes Theater

In diesem Jahr rückt die Produktion „Die Hunnenkönigin“ die Figur der Kriemhild in den Mittelpunkt, die von ihrer Familie an den Hunnenkönig Etzel „verschachert“ wird. Das Stück beschreibt ihr Leben nach dem Tod Siegfrieds und ihre Entwicklung über sieben Jahre – von ihrer Angst auf der Reise zum als Barbar geltenden Etzel über die wachsende Liebe der beiden bis hin zum blutigen Finale. Dabei enthauptet Königin Kriemhild ihren eigenen Sohn, um Burgunder und Hunnen den Thronfolger nehmen. Die Inhalte berühren dabei ganz aktuelle Fragen wie die Rolle der Frau. Zitate wie „die Waffen der Frau sind Schweigen und Geduld“ oder „Wir bluten nicht auf dem Schlachtfeld, wir bluten auf den Laken“ regen zum Nachdenken an. Dies gilt auch für Aspekte wie die Angst vor dem Fremden, die oft in Unkenntnis und Vorurteilen wurzelt. Ebenso zeitgemäß die aufgeworfenen Fragen um Gerechtigkeit und Frieden. „Frieden ist die Erinnerung an Krieg“, sagt König Etzel überzeugt.

v.l. Kriemhild (Maria Dragus) und König Gunter (Paul Marianne Furtwängler)
v.l. Kriemhild (Maria Dragus) und König Gunter (Paul Marianne Furtwängler) © David Baltzer

Neue, internationale Stilmittel bringt die Zusammenarbeit mit der Londoner Theatergruppe Les Enfants Terribles: ein großes Spektakel aus Schauspiel, Musik, Tanz, Puppenspiel und Technik. So wird der bereits verstorbene Siegfried als Leinwand-Projektion, Puppe und Schauspieler lebendig. Eine zusätzliche musikalische Ebene bilden die von Alice Merton eigens komponierten Songs. Die international durch ihren Hit „No Roots“ bekannte Sängerin und ihre Band performen die Stücke mit Rock-, Pop- und Weltmusik-Anklängen dabei live und als Teil des Bühnengeschehens.

v.l. Alexander Wolfe, Alice Merton, Jakob Roters, Michael Fischer und Mya Audrey © David Baltzer

Wir und das ganze Publikum sind begeistert. Selbst ein Regenguss nach der Pause tut dem Genuss keinen Abbruch. Die vielen Stammgäste sind gut darauf vorbereitet und schützen sich mit langen Regen-Ponchos. Auf der Bühne spielt das Ensemble unbeirrt weiter. Die Standing Ovations am Ende danken auch für diesen besonderen Einsatz.

Im Anschluss – sowie in der 40-minütigen Pause – fasziniert die Atmosphäre des in rotes und grünes Licht getauchten Heylhofparks erneut. Strahler bringen die Baumriesen und ihre Wurzeln zum Leuchten. Auf dem Heimweg säumen Kerzen das leuchtende „Drachenblut“ des Brunnens und Melodien ertönen als Geleitmusik. Der Abend hallt noch lange nach …

Besucher flanieren durch den Heylshofpark der Nibelungen-Festspiele
Mit Flanierkarten auch Zutritt ohne Vorstellungsbesuch
Die Baumriesen strahlen im Licht
Kerzen säumen den Drachenblut-Brunnen

Facettenreiches Begleitprogramm: Diskussionen, Austausch, Konzerte und Kultur

Über die Abend-Vorstellungen und das Erlebnis im Heylshofpark hinaus schaffen die Nibelungen-Festspiele den Anlass für ein facettenreiches Begleitprogramm. Dieses will unterschiedliche Perspektiven auf Kunst, Gesellschaft und den Nibelungenstoff eröffnen und die Festspiele als Ort der Debatte, des gesellschaftlichen Austauschs und der Demokratie-Förderungen positionieren. Zu den Formaten zählen das Demokratie-Gespräch, Vorträge, Theaterbegegnungen, Rezitationskonzerte oder musikalische Lesungen. An kleine Besucher richtet sich das Jugendtheater und der Kinder- und Familientag.

In der Dauerausstellung des Museums im Andreasstift lädt die neue Präsentation „Nibelungen – Liebe, Verrat und Untergang“ ein, die Nibelungen-Sage museal zu erleben. Filme und Ausstellungsobjekte wie Requisiten vergangener Inszenierungen zeigen, wie die Festspiele Elemente der Sage künstlerisch adaptieren.

Hinweistafel der Nibelungen-Festspiele im Stadtgebiet von Worms
Die Nibelungen-Festspiele sind fest in der Stadt verankert

Wie komme ich an ...

Tickets Nibelungen-Festspiele Worms: Über die Hotline 01805 – 33 71 71 (0,14 Euro/Minute aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute) oder über die Website.

Auch alle bekannten TicketRegional-Vorverkaufsstellen bieten die Karten an.

Flanierkarten ermöglichen es, den Heylshofpark mit seinen kulinarischen Angeboten und der Live-Musik auch ohne Vorstellungsbesuch zu genießen.

Vergünstigtes Parken gewähren vier nahe gelegene Parkhäuser – das Ticket wird einfach am Stand im Heylshofpark bezahlt.

Ganz praktische Tipps:

Für Neulinge bei den Nibelungen-Festspielen hält die Kennerin Dr. Ulrike Löffler ganz praktische Tipps parat:

  • Um die Personen und das Geschehen einzuordnen, ist es sinnvoll die Sage zu kennen und grob zu wissen, worum es geht. Hilfreich dafür ist die Online-Einführung, die immer ab dem Premierentag bereitsteht. Sie ist auf der Startseite der Nibelungen-Festspiele und über QR-Code auch noch vor Ort abrufbar.
  • Der Dress-Code ist sportlich- elegant, für die Damen ist ein leichtes Sommerkleid ideal.
  • Sollte es regnen, gibt es vor Ort Regencapes mit Kapuze zu kaufen. Die Aufführungen finden auch bei Regen statt. Nur bei Gewitter wird die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abgebrochen, da ja z.B. die Tribüne aus Metall ist.
  • Ein kleines Kissen hilft, um bequemer zu sitzen. Dies kann man mitnehmen oder vor Ort im Merchandise-Zelt kaufen.
Dr. Ulrike Löffler mit ihrem Gatten und einem Gast aus Paris bei den Nibelungen-Festspielen
Bei der Premiere: Kennerin Dr. Ulrike Löffler und ihr Gatte nehmen die Freundin Pascale Trimbach in die Mittel. Die Generalsekretärin des Deutsch-Französisches Jugendwerks ist eigens aus Paris angereist.

Nibelungenorte in Worms: Dom, Nibelungenturm und Siegfriedbrunnen entdecken

Auch über die Festspiele hinaus sind die Nibelungen in Worms erlebbar, denn die Sage ist tief in der Stadt verankert:

  • Der Wormser Dom: In der Sage der Schauplatz des berühmten Zanks zwischen den Königinnen Kriemhild und Brünhild, wer zuerst den Dom betreten darf – Sinnbild für ihren Streit um die Vorherrschaft. An der Westseite liegt der „Siegfriedstein“, den der Sage nach Siegfried über den Dom geschleudert hat.
  • Der Nibelungenturm: Das 53 Meter hohes Eingangstor auf der „alten“ Wormser Rheinbrücke, die ebenfalls „Nibelungenbrücke“ genannt wird.
  • Hagendenkmal und „Kriemhilds Rosengarten“ am Rheinufer: Am Fluss erinnert ein Denkmal an Hagen von Tronje, der hier den sagenumwobenen Nibelungenhort versenkt haben soll. Daneben bilden die Blüten des Rosengartens, der von Kriemhild gehütet worden sein soll, ein begehbares und sich im Laufe des Jahres veränderndes Kunstwerk.
  • Siegfriedbrunnen: In der Innenstadt setzt dort der Held triumphierend seinen Fuß auf den besiegten Drachen. Am Nibelungenliedbrunnen stellt der Wormer Bildhauer Gustav Nonnemacher Szenen der Sage und Textpassagen daraus dar.
Dom St. Peter zu Worms
Jüdischer Friedhof "Heiliger Sand" und Dom

Tipp für mehr Worms:

Zu den Festspielen gibt es attraktive Übernachtungs- und Gruppenangebote, um die Aufführungen mit dem Besuch der Stadt zu verbinden. Die Basis-Version beinhaltet eine Übernachtung mit Frühstück in einem Drei- oder Vier-Sterne-Hotel im Doppelzimmer inklusive einer Festspiel-Eintrittskarte der gebuchten Kategorie. Zudem ermäßigter Eintritt gegen Vorlage der Eintrittskarte im Museum Andreasstift. Das Spezial-Paket erweitert diese Leistungen um eine Backstage-Führung, das Deluxe-Angebote zudem um ein Drei-Gang-Menü „Dinner im Park“. Informationen und Buchung über: Angelika Rosin a.rosin@nibelungenfestspiele.de

Marina Noble und Rainer vor der Sponsorenwand der Nibelungen-Festspiele
Erinnerungsfoto: Marina und Rainer Noble vor der Sponsorenwand, wo auch die Stars posieren.

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Seit über 30 Jahren ist Rheinhessen meine Wahlheimat und ich, eine gebürtige Fränkin, lebe heute in der Oppenheimer Altstadt. Reisen zu nahen und fernen Zielen gehörten Jahrzehnte lang zu meinen Aufgaben als Inhaberin einer der erfolgreichsten touristischen PR-Agenturen Deutschlands. Nun im Ruhestand sind mein Mann und ich leidenschaftlich gern im schönen Rheinhessen unterwegs. Dabei engagieren wir uns z.B. für die Vogelbeobachtung oder als Wegepaten für den RheinTerassenWeg.

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